Anlässlich der Mitgliederversammlung am 8. November 2017, dem 302. Geburtstag der Königin Elisabeth Christine, hielt unser Mitglied Jochen von Grumbkow einen Kurzvortrag zu unserem neuen Förderprojekt. Dieser Vortrag sei hier in leicht veränderter Form wiedergegeben:



DIE "RUHENDE FRAU" IM SCHLOSSPARK SCHÖNHAUSEN

Vortrag zum aktuellen Förderprojekt des Vereins


40 Jahre lang, von 1951 bis 1991, gehörte zur Ausstattung des inneren Schlossparks des Schlosses Schönhausen in Berlin-Pankow die lebensgroße Bronzeskulptur einer lagernden, halb aufgerichteten jungen Frau. Sie stand seitlich der Pergola, an einer niedrigen Umfassungsmauer. Der niedrige efeuberankte Sockel ist noch an Ort und Stelle zu sehen.

Es handelt sich um das Werk „Ruhende Frau“ des Schweizer Bildhauers Fritz Huf aus dem Jahr 1923.



Seit der Öffnung des Schlosses Schönhausen als Museum ist es der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg gelungen, Schritt für Schritt wichtige Teile des inneren Parks, des sogenannten „Präsidentengartens“, wie er 1950 entworfen wurde, wiederherzustellen. Es bleibt immer noch viel zu tun. Ein Höhepunkt der weiteren Rekonstruktionsmaßnahmen wird zweifellos die Wiederkehr der „Ruhenden Frau“ sein. Zu diesem Zweck plant die Stiftung, einen Nachguss der Skulptur herstellen zu lassen.

Warum einen Nachguss? Warum stellt man nicht einfach das Original wieder auf? Das wäre möglich. Die originale Bronze ist erhalten und in ausgezeichnetem Zustand. Aber sie befindet sich nicht in Besitz der Stiftung Schlösser und Gärten, sondern in dem der Nationalgalerie und damit der Staatlichen Museen zu Berlin. Was der Aufstellung des Originals leider im Wege steht, ist die simple Frage der Haftung im Schadensfall.

Der finanzielle Aufwand für die Herstellung des Bronzegusses wurde von den Experten der Stiftung mit 18.000 Euro beziffert. Der Förderverein Schloss & Garten Schönhausen e.V. hat sich das hohe Ziel gesetzt, diese Mittel in den kommenden Monaten einzuwerben und die „Ruhende Frau“ dem Schloss und den Schlossparkbesuchern zurückzugeben.


Der Bildhauer Fritz Huf ist heute nur noch wenigen Fachleuten ein Begriff. Dabei zählte er während der 20er Jahre in Deutschland zu den populären Erneuerern eines klassischen Menschenbildes um Georg Kolbe, Hermann Haller und Ernesto de Fiori. Die beiden zuletzt Genannten arbeiteten zeitweise sogar zusammen mit Huf in dessen Grunewalder Atelier.

Fritz Huf wurde 1888 in Luzern geboren. Nach ersten Erfolgen in Frankfurt am Main zog es ihn 1914 ins künstlerisch pulsierende Berlin, wo er sich auch dank der Protektion der Dichterin und Diplomatengattin Fürstin Mechtilde Lichnowsky schnell als Meister des Porträts einen Namen machte. In den sich anschließenden Jahren entstanden in großer Zahl die Bildnisse der Berliner Kultur-Society – Else Lasker-Schüler, Rainer Maria Rilke, Max Liebermann, Walter Rathenau, Eleonora Duse und viele andere mehr.

Ende 1918, in den letzten Tagen des Krieges, heiratete er die gerade erst volljährig gewordene Natascha Fürstenberg, jüngere Tochter des prominenten Berliner Bankiers Carl Fürstenberg. Der alte Fürstenberg war mit der Wahl seiner Tochter wohl kaum besonders glücklich, fand sich aber damit ab. Immerhin gehörte Huf zum illustren Berliner Netzwerk von Mäzenen, Literaten, Architekten und Künstlern. Die gesellschaftlichen Trennlinien zwischen Auftraggeber und Künstler blieben bestehen. Huf war zwar angeheiratet, aber zur Familie würde er nie ganz gehören.

Um 1920 bezogen er und Natascha das Atelierhaus des verstorbenen Berliner Bildhauers Louis Tuaillon in der Herbertstraße 1, Berlin-Grunewald. Hier entstand 1923 die Bronzeskulptur „Ruhende Frau“. Ganz unverkennbar trägt Hufs weiblicher Akt die Züge seiner Ehefrau Natascha.

Mehrfach hat Huf seine hübsche junge Frau porträtiert, allerdings nur in relativ kleinen Objekten, wie es bei dem eher privaten Sujet auch zu erwarten ist. Dass er Nataschas Gesichtszüge für eine lebensgroße Figur verwendete und in Bronze gießen ließ, ist ohne einen konkreten Auftrag kaum vorstellbar. Wer aber war der Auftraggeber?

Nach allem, was wir heute wissen, war es Nataschas Bruder Hans Fürstenberg, der die Skulptur für die Ausstattung seines neu angelegten Gartens bestellte. Sicher war künstlerische Wertschätzung das entscheidende Motiv für diesen Auftrag. Darüber hinaus könnten hier aber auch Absichten eine Rolle gespielt haben, die aus der ungewöhnlich engen privaten Beziehung zwischen Künstler und Auftraggeber resultierten. Für die nötigen Absprachen musste der junge Fürstenberg jedenfalls keine allzu große Distanz überwinden: Vom Landhaus der Familie in der Königsallee zum Atelier und Wohnhaus des Schwagers war es nicht mehr als ein kurzer Spaziergang.


Hans Fürstenberg war schon in jungen Jahren in die Fußstapfen des Vaters getreten und als Geschäftsinhaber der Berliner Handelsgesellschaft selbst zu einem beträchtlichen Vermögen gekommen. 1924 entstand nach seinen Vorstellungen in der Kaiserin-Augusta-Straße ein luxuriöses Wohnhaus. Die Ausstattung seines neuen Domizils mit Möbeln und Kunstgegenständen übernahm der kunstsinnige Junggeselle höchstpersönlich.

Mit erkennbarem Besitzerstolz präsentierte er 1925 die Gartenfront seiner Villa in einem etwas dilettantisch, aber dafür selbst gemalten Ölbild – mit einer Skulptur im Vordergrund, die er als Eyecatcher in der Mittelachse von Haus und Garten platziert hatte. Die Figur ist nur in der Rückansicht zu sehen und erscheint, bedingt durch den hellen Hintergrund, wie im Schattenriss. Der Vergleich der Konturen mit denen der „Ruhenden Frau„ lässt kaum einen Zweifel daran, dass beide Figuren identisch sind.

Wir wissen nicht genau, wie lange die „Ruhende Frau“ unbehelligt im Garten der vornehmen Fürstenbergvilla stand. 1936 emigrierte Hans Fürstenberg wegen seiner jüdischen Herkunft nach Frankreich. Von der Gestapo verfolgt, flüchtete er 1940 weiter in die Schweiz. Dorthin waren inzwischen auch Fritz und Natascha Huf ausgewichen.


Huf hatte schon 1924 Berlin wieder verlassen und sich in Frankreich der Abstraktion zugewandt. Um 1930 verlagerte sich der Schwerpunkt seiner Arbeit zu Malerei und Grafik. Später zerstörte er sogar einen beträchtlichen Teil seiner plastischen Werke. Es war, als würde er sich seinem Publikum regelrecht entziehen. Seine engen Kontakte zur zeitgenössischen Avantgarde wie Pablo Picasso, Georges Braque, Paul Klee, Constantin Brancusi, Hans Arp, Robert Delauney und vielen anderen inspirierten ihn zu immer neuen eigenen Experimenten. Trotz allem gelang es ihm nicht, an die alten Berliner Erfolge anzuknüpfen. Nach einer langen und reichen künstlerischen Karriere verstarb er 1970 in der Schweizer Heimat. Abgesehen von großen Sammlungen in Luzern, Winterthur und Gentilino befinden sich Werke von ihm heute im Georg-Kolbe-Museum, Berlin, im Wallraf-Richartz-Museum, Köln, in der Kunsthalle Bremen, im Von der Heydt-Museum, Wuppertal, und in der Akademie der Künste, Berlin. Vieles wurde während der NS-Zeit zerstört oder verschwand in Privatbesitz.


Die Fürstenbergvilla im Berliner Tiergartenviertel überstand den Krieg nur als Ruine und wurde schließlich abgebrochen. Wo aber war die „Ruhende Frau“? Erst 1948 fand sie sich zusammen mit anderen Skulpturen auf dem Schrottplatz der tschechoslowakischen Militärmission im Berliner Osthafen wieder an. Die Umstände der Auffindung sind dabei kaum weniger rätselhaft als die Frage, wie die Skulptur überhaupt dorthin gekommen war.

Vermutlich war sie schon 1940 in den Osthafen gelangt, nachdem die Bevölkerung zur Metallspende für die Rüstungsindustrie aufgefordert worden war. Der Aufruf hatte sich an Privatleute, Kommunen und Unternehmen gerichtet, aber eben auch an die Reichsbehörden wie das Auswärtige Amt, in dessen Besitz die Fürstenbergvilla 1939 übergegangen war. Warum die Skulptur schließlich doch nicht eingeschmolzen wurde, sondern zusammen mit anderen Kunstwerken in einem Schrottlager landete, darüber lässt sich nur spekulieren. Hin und wieder gelang es wohl den hinzugezogenen Kunstsachverständigen, einzelne Objekte separat zu lagern und so, zumindest vorläufig, vor der Vernichtung zu bewahren.

Der Osthafen insgesamt wurde erst im Dezember 1948 aus der Gesamtberliner Hafenverwaltung herausgelöst und unterstand danach dem Ostberliner Magistrat. So fielen auch die gefundenen Skulpturen unter die Verwaltung der Ostzone. 1949 wurde Hufs „Ruhende Frau“ der Nationalgalerie zur Verwahrung übergeben, zwei Jahre später als Schenkung für eine „Galerie des 20. Jahrhunderts“ vollständig übereignet, die dann allerdings im Ostteil der Stadt nicht mehr realisiert wurde.

Noch im selben Jahr fand unsere Skulptur Aufstellung im Park des Schlosses Niederschönhausen – auf einer kleinen, eingehegten Wiese, dem sogenannten Gartenhof, neben der Lennéschen Pergola. Auf diesem Weg wurde sie Teil des Präsidentengartens für Wilhelm Pieck, der Anfang der 50er Jahre Dort blieb sie, ohne von einer größeren Öffentlichkeit wahrgenommen zu werden, da der innere Schlosspark Sperrgebiet war.

Nach der Wiedervereinigung war zunächst nicht klar, was aus dem Schloss überhaupt einmal werden sollte. Da die Skulptur immer noch Eigentum der Nationalgalerie war, entschied man sich dafür, die „Ruhende“ sicherheitshalber einfach erst einmal abzubauen und bis auf Weiteres einzulagern. Das geschah 1991.

Seitdem steht sich die Skulptur gut bewacht im Depot der Nationalgalerie und wartet darauf, dass bald wenigstens ein Nachguss wieder im Schlosspark Schönhausen steht, dort, wo das originale Werk, geschaffen vor fast 100 Jahren in Hufs Grunewalder Atelier, vier Jahrzehnte lang gestanden hat.

J.v.G.



BESUCH IM DEPOT DER NATIONALGALERIE


Am 18. Oktober 2017 hatten wir das Privileg, die "RUHENDE FRAU", von der bald ein Nachguss wieder am Schloss stehen soll (s.u.), im Original zu bewundern. Dafür traf sich eine kleine Gruppe Vereinsmitglieder am Depot der Nationalgalerie. Der Besuch war in jeder Hinsicht beeindruckend.


 

 

 




Junge Kunst für Ihre Spende - Unterstützen Sie die Restaurierungsmaßnahmen im Schloss Schönhausen!


Mit dem Erwerb eines der Kunstwerke aus der Aktion "Junge Kunst für Ihre Spende" unterstützen Sie die Arbeit des Fördervereins.


Unser Elisabeth-Christinen-Blatt, zu erhalten gegen eine Spende von 50 Euro, eine exklusive Sonderedition mit Golddruck gegen 70 Euro. Die Künstlerin, Frau Arinda Crǎciun, hatte uns bereits 2014 einige schöne Drucke zur Verfügung gestellt (s.u.). Wer mehr von ihr sehen will, der wird auf ihrer Website und bei Illustratoren Organisation e.V. fündig. 


 

 


 










Eine Serie von Linoldrucken der Grafikdesignerin und Illustratorin Diana Kindler.



2014 wurden uns mehrere Serien kleiner Kunstwerke erstmals von sieben Studenten der SCHULE FÜR BILDENDE KUNST UND GESTALTUNG zur Verfügung gestellt. Jedes einzelne wurde exklusiv für dieses Projekt angefertigt. Mittlerweile hat sich aus der Aktion eine dauerhafte Kooperation mit der Kunstschule entwickelt.


DIE ERSTEN 7 KÜNSTLER WAREN

Elke Barroi

Anja Baier

Arinda Crǎciun

Tanja Ehinger

Sybille Goegler

Malte Hagen Olbertz

Katja Oreshnikova

 


Darüber hinaus ist selbstverständlich auch weiterhin jede Spende und jede andere Form der Unterstützung hochwillkommen!


 

Förderverein Schloss & Garten Schönhausen e.V.

Berliner Sparkasse

IBAN: DE81 1005 0000 6600 7482 98
BIC-/SWIFT-Code: BELADEBEXXX
Stichwort: Spende Ruhende Frau


 

 

 

 

 

 

 

Die "Ruhende Frau" an ihrem ehemaligen - und zuküftigen - Platz neben dem Schloss.

 

 

Förderverein Schloss & Garten Schönhausen e.V.

Berliner Sparkasse

IBAN: DE81 1005 0000 6600 7482 98

BIC-/SWIFT-Code: BELADEBEXXX

Stichwort: Spende Ruhende Frau