DIE "RUHENDE FRAU" IM SCHLOSSPARK SCHÖNHAUSEN

Eine Bronzeskulptur der Berliner 20er Jahre kehrt zurück


 

Fast 40 Jahre lang, von 1951 bis 1990, gehörte zur Ausstattung des inneren Schlossparks des Schlosses Schönhausen in Berlin-Pankow die lebensgroße Bronzeskulptur einer lagernden, halb aufgerichteten jungen Frau. Sie stand seitlich der Pergola, auf einem niedrigen Podest. Es handelt sich um das Werk „Ruhende Frau“ des Schweizer Bildhauers Fritz Huf aus dem Jahr 1923.


Seit der Öffnung des Schlosses Schönhausen als Museum ist es der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg gelungen, Schritt für Schritt wichtige Teile des inneren Parks, des sogenannten „Präsidentengartens“, wie er 1950 entworfen wurde, wiederherzustellen. Ein Höhepunkt der Rekonstruktionsmaßnahmen wird die Wiederkehr der „Ruhenden Frau“ sein.


Der Bildhauer Fritz Huf ist heute nur noch wenigen Fachleuten ein Begriff. Dabei zählte er während der 20er Jahre in Deutschland zu den populären Erneuerern eines klassischen Menschenbildes um Georg Kolbe, Hermann Haller und Ernesto de Fiori. Die beiden zuletzt Genannten arbeiteten zeitweise sogar zusammen mit Huf in dessen Grunewalder Atelier.


Fritz Huf wurde 1888 in Luzern geboren. Nach ersten Erfolgen in Frankfurt am Main zog es ihn 1914 ins künstlerisch pulsierende Berlin, wo er sich auch dank der Protektion der Dichterin und Diplomatengattin Fürstin Mechtilde Lichnowsky schnell als Meister des Porträts einen Namen machte. In den sich anschließenden Jahren entstanden in großer Zahl die Bildnisse der Berliner Kultur-Society – Else Lasker-Schüler, Rainer Maria Rilke, Max Liebermann, Walter Rathenau, Eleonora Duse und viele andere mehr.


Anfang 1919, wenige Wochen nach Kriegsende, heiratete er Natalie „Natascha“ Fürstenberg, jüngere Tochter des prominenten Berliner Bankiers Carl Fürstenberg. Die Verbindung über Konventionen hinweg muss überraschen. Andererseits gehörte Huf in diesen Jahren zu einem illustren Netzwerk von Berliner Mäzenen, Literaten, Politikern und Künstlern.


Bis dahin hatte Huf noch in der Von-der-Heydt-Straße 8 gearbeitet. Um 1920 bezogen er und Natascha das Atelierhaus des verstorbenen Berliner Bildhauers Louis Tuaillon in der Herbertstraße 1, Berlin-Grunewald. Hier entstand 1923 die „Ruhende Frau“. Das Tonmodell wurde im selben Jahr durch die Galerie Flechtheim der kunstinteressierten Öffentlichkeit vorgestellt. Ganz unverkennbar trägt Hufs weiblicher Akt die Züge seiner Ehefrau Natascha.


Mehrfach hat Huf seine hübsche junge Frau porträtiert, allerdings nur in kleineren Objekten, wie es bei dem eher privaten Sujet auch zu erwarten ist. Als Auftraggeber für die teure Ausführung in Bronze dürfen wir Nataschas Bruder Hans Fürstenberg vermuten, der die Skulptur für die Ausstattung seines neu angelegten Gartens bestellte. Um den Schaffensprozess zu verfolgen, musste der junge Fürstenberg nicht allzu weit gehen: Vom Landhaus der Familie in der Königsallee zum Atelier und Wohnhaus des Schwagers war es nicht mehr als ein kurzer Spaziergang.


Hans Fürstenberg war schon in jungen Jahren in die Fußstapfen des Vaters getreten und als Geschäftsinhaber der Berliner Handelsgesellschaft selbst zu einem beträchtlichen Vermögen gekommen. 1924 entstand nach seinen Vorstellungen in der Kaiserin-Augusta-Straße – heute Köbisstraße – ein luxuriöses Wohnhaus. Die Ausstattung seines neuen Domizils mit Möbeln und Kunstgegenständen übernahm der künstlerisch ambitionierte Junggeselle höchstpersönlich.


Mit erkennbarem Besitzerstolz präsentierte er 1925 die Gartenfront seiner Villa in einem etwas dilettantisch, aber dafür selbst gemalten Ölbild – mit der „Ruhenden Frau“ in Rückenansicht. Ein Foto aus einer Zeitschrift von 1932 zeigt die Skulptur dann auch in der Vorderansicht vor unter Bäumen.


Wir wissen nicht genau, wie lange die „Ruhende Frau“ unbehelligt im Garten der vornehmen Fürstenbergvilla stand. 1936 emigrierte Hans Fürstenberg wegen seiner jüdischen Herkunft nach Frankreich.


Zunächst wurde noch mit einigem Aufwand der Anschein erweckt, die Villa sei weiterhin bewohnt. Dann aber, 1938, geriet sie ins Blickfeld des Auswärtigen Amtes, das für seinen neuen Staatssekretär Ernst Freiherr von Weizsäcker eine repräsentative Dienstvilla suchte. Das Finanzministerium übte den entsprechenden Druck aus, und Fürstenberg blieb nichts anderes übrig, als dem Verkauf aus der Ferne zuzustimmen. Im September 1938 wurde der Vertrag von einem Mittelsmann unterzeichnet. Die wertvollsten Teile der Einrichtung hatte Fürstenberg schon im Juli zur Auktion geben müssen, wo sie geradezu verramscht wurden. Was die „Ruhende Frau“ angeht, gibt es bisher keinen Anhaltspunkt dafür, dass sie von ihrem Platz im Garten der Villa entfernt wurde.


Fürstenberg war auch auf seinem kleinen Schloss Beaumesnil in Nordfrankreich nicht dauerhaft in Sicherheit, allein schon wegen seiner überaus kostbaren Sammlung an deutschen Originalausgaben, Holzschnitten und französischen Büchern des 18. Jahrhunderts. Außerdem waren einige Bestände der Bibliothèque nationale de France, der Archives nationales und das Privatarchiv des belgischen Königs dorthin ausgelagert worden. Nach der deutschen Besetzung Frankreichs flüchtete Fürstenberg mit seiner Ehefrau Genia vor der Gestapo schließlich in die Schweiz.


Dorthin wichen im Dezember 1940 auch Fritz und Natascha Huf aus.
Huf hatte schon 1924 Berlin wieder verlassen und sich in Frankreich der abstrakten Kunst zugewandt. Um 1930 verlagerte sich der Schwerpunkt seiner Arbeit zu Malerei und Grafik. Später zerstörte er sogar einen beträchtlichen Teil seiner plastischen Werke. Es war, als würde er sich seinem Publikum regelrecht entziehen. Seine persönlichen Kontakte zur zeitgenössischen Avantgarde wie Picasso, Braque, Klee, Brancusi, Arp, Delauney und vielen anderen inspirierten ihn zu immer neuen eigenen Experimenten. Trotz allem gelang es ihm nicht, an die alten Berliner Erfolge anzuknüpfen. Nach einer langen und reichen künstlerischen Karriere verstarb er 1970 in der Schweizer Heimat. Abgesehen von großen Sammlungen in Luzern, Winterthur und Gentilino befinden sich Werke von ihm heute im Georg-Kolbe-Museum Berlin, im Wallraf-Richartz-Museum, Köln, in der Kunsthalle Bremen, im Von der Heydt-Museum, Wuppertal, und in der Akademie der Künste, Berlin. Vieles wurde während der NS-Zeit zerstört oder verschwand in Privatbesitz.


Von der Fürstenbergvilla im Berliner Tiergartenviertel blieb nach dem Krieg nur eine Ruine. Hans Fürstenberg hatte 1956 von der Stadt Berlin eine Entschädigung und die Rückgabe des Grundstücks erstritten. Er ging wohl nicht davon aus, dass die „Ruhende Frau“ den Krieg und die Nachkriegsjahre überstanden hatte. „Jean Furstenberg“ kehrte nur noch gelegentlich nach Deutschland zurück. Sein Lebensmittelpunkt blieb Schloss Beaumesnil in der Normandie.


Wo aber war die „Ruhende Frau“? Erst 1948 fand sie sich zusammen mit anderen Skulpturen in einem „riesenhaften Messing- und Bronzeschrotthaufen“ auf dem Verladeplatz der tschechoslowakischen Militärmission im Berliner Osthafen wieder an. In dieser Zeit wurde Berlin von mehr oder weniger pro-fessionell organisierten Buntmetalldieben rücksichtslos geplündert.


Den verdienstvollen Kunstretter Kurt Reutti verschlug es auf seiner Suche nach dem gestohlenen Wrangel-Denkmal vom Leipziger Platz auf den illegalen Schrottplatz der Militärmission im Osthafen. Im Tausch gegen die bereits zerschnittenen Reste des gesuchten Denkmals erhandelte er eine Reihe von Kunstwerken aus dem Schrotthaufen und übergab sie der Nationalgalerie zur Verwahrung, darunter auch die „Ruhende Frau“. 1951 ging sie dann offiziell in den Besitz der Nationalgalerie über, die sie mit anderen Skulpturen dem Schloss „Niederschönhausen“, Amtssitz von Wilhelm Pieck, für die Ausstattung des „Präsidentengartens“ zur Verfügung stellte. Dort fand sie ihren Platz auf einer kleinen, eingehegten Wiese, dem sogenannten Gartenhof, neben der Lennéschen Pergola. Und dort blieb sie fast 40 Jahre lang, ohne von der Öffentlichkeit wahrgenommen zu werden: Der innere Schlosspark war militärisches Sperrgebiet. Ihre Herkunft geriet in Vergessenheit.


Nach der Wiedervereinigung war zunächst nicht klar, was aus dem Schloss werden sollte. Da die Skulptur immer noch im Besitz der Nationalgalerie war, entschied man sich dafür, sie sicherheitshalber erst einmal abzubauen. Seit September 1990 steht die „Ruhende Frau“ im Depot.


Erst als das Schloss Schönhausen zum Museum wurde und die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg damit begann, den ehemaligen Präsidentengarten als Gartendenkmal wiederherzustellen, erinnerte man sich wieder an die Bronze von Fritz Huf, die jetzt wieder an ihren Platz zurückkehren sollte. Um versicherungsrechtliche Probleme zwischen den Stiftungen zu umgehen, sollte ein Nachguss angefertigt werden. Als der Förder-verein Schloss & Garten Schönhausen e.V. davon erfuhr, machte er es sich zur Aufgabe, die Finanzierung des künstlerisch hochwertigen Nachgusses sicherzustellen. Zur großen Freude des Vereins konnten in kurzer Zeit viele kleine und auch größere Geldspenden eingeworben werden.


Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz bemühte sich im Rahmen der Arbeit am Bestandskatalog zur Sammlung der Nationalgalerie, die Provenienz der „Ruhenden Frau“ zu klären. Unabhängig davon gelang es dem Förderverein, durch eigene Nachforschungen den bis dahin unbekannten ursprünglichen Eigentümer der „Ruhenden Frau“ zu ermitteln. Der Verdacht, dass es sich um NS-verfolgungsbedingt entzogenes Kulturgut handelt, erhärtete sich schnell. Aber Hans Fürstenberg lebte schon lange nicht mehr. Rechtsnachfolger war die von ihm und seiner Ehefrau gegründete Fondation Furstenberg in Beaumesnil. Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz nahm, nachdem die Provenienz geklärt war, umgehend Kontakt auf, um die Restitution in die Wege zu leiten.


Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz hatte entschieden, Fritz Hufs „Ruhende Frau“ abzugeben. Wie sich herausstellte, bestand die Fondation Furstenberg nicht auf ihrer physischen Übergabe, zumal das Kunstwerk in Beaumesnil keinen historischen Standort hatte. Damit ergab sich die Möglichkeit, die „Ruhende Frau“ für den Garten von Schloss Schönhausen zu erwerben. Schnell wurden die Fondation Furstenberg Beaumesnil und die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten sich über den Kaufpreis einig. Gegen eine Ablösesumme von 20.000 Euro sollte die „Ruhende Frau“ in das Eigentum der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten übergehen. Kurzentschlossen ergriff der Förderverein diese glückliche Gelegenheit, der Stiftung den Erwerb zu ermöglichen und so an der Vervollständigung des Schlosses Schönhausens und seines Bestandes tatkräftig mitzuwirken.


Noch muss die „Ruhende Frau“ von den Restauratoren untersucht und einer gründlichen Reinigung unterzogen werden, bevor sie an ihren alten Platz auf dem Sockel an der Lennéschen Pergola zurückkehren kann. Aller Voraussicht nach werden nach den Jahrzehnten, die sie ungeschützt unter freiem Himmel und später im Museumsdepot verbrachte, auch aufwendige Restaurierungen notwendig sein. Bis zu ihrer endgültigen Wiederaufstellung wird also noch einige Zeit vergehen.


Mit seiner Rückkehr wird dieses ausdrucksvolle Werk der klassischen Moderne an die Zeit erinnern, in der das Schloss präsidialer Amtssitz und Gästehaus der DDR-Regierung war. Darüber hinaus wird es aber auch explizit an den deutsch-französischen Kunstsammler und Mäzen Hans „Jean“ Fürstenberg erinnern sowie an dessen Schwager Fritz Huf selbst, den fast vergessenen Bildhauer, der 1923 im Grunewalder Atelier seine Ehefrau Natascha porträtierte.


Jochen von Grumbkow






BESUCH IM DEPOT DER NATIONALGALERIE


Am 18. Oktober 2017 hatten wir das Privileg, die "RUHENDE FRAU", von der bald ein Nachguss wieder am Schloss stehen soll (s.u.), im Original zu bewundern. Dafür traf sich eine kleine Gruppe Vereinsmitglieder am Depot der Nationalgalerie. Der Besuch war in jeder Hinsicht beeindruckend.


 

 

 




Junge Kunst für Ihre Spende - Unterstützen Sie die Restaurierungsmaßnahmen im Schloss Schönhausen!


Mit dem Erwerb eines der Kunstwerke aus der Aktion "Junge Kunst für Ihre Spende" unterstützen Sie die Arbeit des Fördervereins.


Unser Elisabeth-Christinen-Blatt, zu erhalten gegen eine Spende von 50 Euro, eine exklusive Sonderedition mit Golddruck gegen 70 Euro. Die Künstlerin, Frau Arinda Crǎciun, hatte uns bereits 2014 einige schöne Drucke zur Verfügung gestellt (s.u.). Wer mehr von ihr sehen will, der wird auf ihrer Website und bei Illustratoren Organisation e.V. fündig. 


 

 


 










Eine Serie von Linoldrucken der Grafikdesignerin und Illustratorin Diana Kindler.



2014 wurden uns mehrere Serien kleiner Kunstwerke erstmals von sieben Studenten der SCHULE FÜR BILDENDE KUNST UND GESTALTUNG zur Verfügung gestellt. Jedes einzelne wurde exklusiv für dieses Projekt angefertigt. Mittlerweile hat sich aus der Aktion eine dauerhafte Kooperation mit der Kunstschule entwickelt.


DIE ERSTEN 7 KÜNSTLER WAREN

Elke Barroi

Anja Baier

Arinda Crǎciun

Tanja Ehinger

Sybille Goegler

Malte Hagen Olbertz

Katja Oreshnikova

 


Darüber hinaus ist selbstverständlich auch weiterhin jede Spende und jede andere Form der Unterstützung hochwillkommen!


 

Förderverein Schloss & Garten Schönhausen e.V.

Berliner Sparkasse

IBAN: DE81 1005 0000 6600 7482 98
BIC-/SWIFT-Code: BELADEBEXXX
Stichwort: Spende Ruhende Frau


 

 


Die "Ruhende Frau" an ihrem ehemaligen - und zuküftigen - Platz neben dem Schloss.

 

 



Förderverein Schloss & Garten Schönhausen e.V.

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Stichwort: Spende Ruhende Frau